Rennbericht: KraichgauMAN 2016

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Deutsche Meisterschaft im Cross-Duathlon

Welch ein würdiges Abschlussrennen, wenn man nicht gerade um den halben Globus nach Hawaii fliegen möchte und vor der Haustüre um die Vergabe der letzten DM-Medaillen im Triathlon der Saison 2016 ein Wörtchen mitreden möchte. Christian, Pedro und ihr Team haben einmal mehr eine würdige Veranstaltung im badischen Östringen im durchaus unter Triathleten bekannten Kraichgau auf die Beine gestellt.

Da ich mir zwei Wochen zuvor mal wieder eine Zerrung in der rechten Wade eingefangen hatte, wartete ich geduldig (wenigstens das, wenn ich schon mal wieder die Körpersignale ignorierte) bis zum Mittwoch der Rennwoche, um einen ersten zaghaften Test über 2 km rund um’s Dorf zu starten und anzutesten, ob ich überhaupt den Trip zum KraichgauMAN des Jahres 2016 wagen konnte. Die Wade hielt und ich musste bei meinen derzeitigen Umfängen zumindest nicht tapern.🙂

Saisonabschluss im Kraichgau

Also am Samstag morgen gut gefrühstückt, die Siebensachen ins Auto gepackt und ab ging’s über den Umweg A81/A6 nach Östringen (mal wieder zu viel Stau auf der A8 und A5). Herrlich! Alle sind da. Ich schaffe es kaum in die Halle zu den Startunterlagen, Schwätzchen hier und Schwätzchen dort. Zeit zum Einfahren habe ich keine mehr, also checke ich gleich das Rad ein und werde gleich mal von den scharfen Kampfrichtern ermahnt, dass ich nicht den Aufkleber auf dem Rad habe (der hatte sich zwischen all den Flyern in der Tüte versteckt). Zwischenzeitlich kennt man sie fast alle. Dann nochmal kurz die komplizierten Routen in und aus der Wechselzone erklären lassen. Noch geschwind ein wenig einlaufen und schließlich trifft man sich am Start.

Ein brutal schnelles Anfangstempo

Die übliche Flaxerei, wie schnell man den ersten Kilometer angehen wird (er wird SEHR schnell angegangen – angeblich 2:50er-Tempo, aber es geht auch ein wenig bergab). Nach dem Start geht es quer um die Wechselzone herum in einem wilden Zickzack bergab, dann über die Straße und schließlich in den gegenüber liegenden Wald. Das Tempo ist brachial und ich muss ganze 30 Mann ziehen lassen. Ich tue mich extrem schwer, einen halbwegs annehmbaren Rhythmus zu finden. Aber ein paar Meter vor mir läuft Alex Lang und dann, denke ich, kann ich nicht ganz so falsch liegen. Und irgendeiner atmet mir direkt ins Genick. Als ich mich in Runde 2 von 2 bei der Backüberquerung sauber auf die Fresse lege (der Strohballen war „durch“ und gab zu weich nach), sehe ich das Ausmaß des Desasters: Kein Geringerer als Bernd Übersezig hatte sich also an mich geheftet. Das Schlimme war, dass ich ihn bis zur T1 nicht abschütteln konnte und ich wußte ja, dass er schon diesen Ticken besser Rad fährt. Wir drei Führenden der M45 also im Sekundentakt in die erste Wechselzone. Bernd wechselt wie immer am schnellsten und ist ein paar Meter voraus. Alex geht genau mit mir auf die Radstrecke.

Zuerst kein Raddruck

Puh, schon wieder kein richtiger Druck auf dem Kessel. Ich brauche ungefähr 1½ Runden (die Hälfte der Radstrecke), um richtig Druck machen so können. Zu spät für Kollege Bernd (der am Ende den 2. Platz in der AK wegschnappt), aber es reicht für Alex Lang, der irgendwann abhängt. Ganz vorn bei der Elite läuft wie erwartet Jonas Hoffmann (EJOT Team Buschhütten) allen davon, muss aber auf der Radstrecke die Killer-Biker Max Sasserath und Gerrit Rosenkranz ziehen lassen. Max holt sich schließlich mit einem überragenden zweiten Lauf den Deutschen Meistertitel, vor Gerrit und Jonas. Bei uns läuft überraschenderweise Kathi Wolff als Führende der Frauenwertung (und spätere Deutsche Meisterin) mit. Reschpeckt! Da sie aber noch langsamer wechselt als ich, hängt sie sich bei mir hinten rein, überholt aber ausgerechnet vor der berühmt-berüchtigten Tongrube und legt sich gleich mal direkt vor mir in einer scharfen Kurve auf die Nase. Danach sehe ich sie nie wieder.

Der große Regen

Gegen Ende der ersten Radrunde fängt es dann sehr plötzlich an zu regnen. Im Vorfeld war von 10 Prozent Regenwahrscheinlichkeit die Rede und bestenfalls erwartete man ein wenig Nieselregen. Anders als erwartet schüttete es aber wie aus Kübeln und die Radstrecke verwandelte sich ratz-fatz in eine Schlammpiste. Mein schönes, weißes Compressport-Outfit wechselte die Farbe in Richtung NATO-oliv.

Sportfreund Rolf Schwarz war vom nahen Zuhause mit seiner Angie angereist, die bei ihren ersten Deutschen Meisterschaften  natürlich gleich mal die Goldmedaille in der W50 abräumte. Das bescheerte mir aber gleich einen Haufen gute Bilder (s.o. – der Rest kommt von unserem Duathlon-Beauftragten Nobbe Braun).

Herzinfarkt auf der Bikestrecke

In der zweiten Runde läuft uns ein sichtlich gestresster Christian Huth im strömenden Regen entgegen und brüllt irgendwas von Unfall. Ich fahre also die nächste Singletrail-Passage bewusst vorsichtig und langsam. Tatsächlich: Da liegt jemand am Boden. Da aber schon jede Menge anderer Athleten sich um ihn kümmern und viele Köche erwiesenermaßen den Brei verderben, fahre ich schließlich weiter. Offenbar hatte der Unglücksrabe (ein Staffelfahrer) einen Herzinfarkt. Glücklicherweise kannte sich einer der Kollegen mit CPR (Herz-Lungen-Wiederbelebung) aus und reanimierte den Unglücklichen, bevor der Notarzt eintreffen und sich final um ihn kümmern konnte. Mental note to myself: Du musst unbedingt mal wieder Deine Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischen!

Der zweite Lauf

Beim zweiten Lauf liefe es dann schon viel besser, ich konnte noch ein paar Leute überholen, keiner kam mehr von hinten. Die Hände waren nach dem Biken so kalt, dass ich Mühe hatte, die Laufschuhe ordentlich anzuziehen. So lief ich die letzten 3,5 km mit offenen Rennsemmeln, die ihrerseits wenig Traktion auf den schlammigen Singletrail-Passagen boten. Jedenfalls machte das dann so richtig Spaß und das Rennen hätte einfach viel länger sein müssen. So trudelte ich als 31. gesamt (3. M45) im Ziel ein. Und während „normale Leute“ mit dem typischen „und jetzt kommt ins Ziel…Jörg Schneider vom TSV Frickenhausen“ angekündigt werden, hört man bei mir nur ein „und jetzt kommt ins Ziel…Onkel Jörgi! 🙂

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Überraschend landet ein Herr Zewe (den keiner von uns kennt) auf Platz 1 der M45, gefolgt von Bernd und mir. Alex geht mit Platz 4 leider leer aus (aber dafür hat er mir letztes Jahr nebenan am Hardtsee den dritten Platz der DM-Wertung auf der Mitteldistanz beim IRONMAN 70.3 Kraichgau weggeschnappt).

Fazit: Wieder mal ein tolles Rennen in Östringen. Ganz liebevoll und familiär von Christian Huth, Pedro Marin und ihrem Team organisiert. Das Wetter leider eine Katastrophe im Vergleich zu vor zwei Jahren. Aber ein bisschen dreckig und schlammig darf es aber natürlich auch sein für eine Cross-DM. Mental note to myself #2: Ich muss unbedingt mal wieder was Schnelles trainieren für diese Sprint-Rennen. Wenn ich gerade mal warm werde kurz vor dem Ziel dient das der Sache nicht. Trotz allem hat der Ausflug mal wieder einen riesigen Spaß gemacht. Abgerundet wurde der Tag dann mit dem Dreifach-Triumph der deutschen IRONMAN-Elite in Kona, welches ich im Kreise einer total netten Triathleten-Truppe in Heidelberg genießen durfte. Danke Euch, Uli & Uwe, für die Einladung und das leckere Essen.

Race Stats:

  • Wetter: zuerst 12°C, trocken, windstill – dann strömender Regen bei 7°C
  • Strecken: 7k Run – 24k Bike – 3,5k Run
  • Zeiten: 27:43 (31. Run 1) – 1:06:19 (35. Bike) – 15:51 (22. Run 2) = 1:50:44
  • Platzierung: 31. Platz overall (3. M45)
  • Material: Compressport Zweiteler, Salming Race 3 Laufschuhe, Scott Helm, Bikeschuhe & Handschuhe, Grand Canyon Hardtail MTB
  • Ergebnisse gibt’s hier!
  • DTU-Bericht gibt’s hier!
  • Bildergalerie gibt’s hier!

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