Weltreise Teil 1: Indien

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So. Die erste Etappe meiner Mini-Weltreise liegt bereits hinter mir und ich möchte wie versprochen einen kurzen Reisebericht posten. Um es vorweg zu nehmen: Incredible India (so der Marketing-Claim) ist in vielerlei Hinsicht ziemlich incredible. Vor allem erstmal incredibly dreckig, schmutzig, umwelt-belastet, überbevölkert und laut. Dann aber auch incredibly schön, romantisch, exotisch, lecker und abwechslungsreich (und das, obwohl ich nur einen kleinen Teil dieses riesngroßen Landes sehen konnte).

Incredible India

Indien – ich denke, das kann ich so sagen – ist nicht für Jedermann! Indien ist nach wie vor – das v.a. auch an diejenigen Freunde, die mal vor 20 oder 25 Jahren da waren – ein Land vor allem für die Backpacker und Individualreisenden. Ansonsten dreht man gleich am Airport um, wenn man mitten in der Nacht landet und kaum die Hand vor Augen sieht, weil der Smog so dicht ist wie der Nebel an einem besonders üblen Tag am Neckar oder zuhause am Bodensee. Irgendwann fängt man an, es in den Augen und den Bronchien zu spüren – nicht lustig. So haben viele Inder auch einen chronischen Reizhusten, ohne sich darüber allzu bewusst zu sein. Dann der Dreck auf dem Boden – einfach überall. Es ist wirklich nichts für schwache Nerven! 1,3 Milliarden Menschen in diesem Flächenstaat bedeutet selbstverständlich, dass dieses Land so gut wie unregierbar ist. Chaos und Anarchie herrschen nicht nur im Straßenverkehr. Aber gerade deswegen scheint es dann doch irgendwie immer zu klappen.

Ansonsten ist Indien natürlich vor allem für seine vielen Baudenkmäler berühmt. Nur muss man da halt auch wieder fragen: „Wer hat’s erfunden?“ Fast alles wurde von fremden „Eroberern“ gebaut, ob die großen Forts (WUNDERSCHÖN und echt beeindruckend!) von den Mongolen oder die tatsächlich (mehr schlecht als recht) funktionierende Eisenbahn von den Engländern.

Rajasthan

In der vergleichweise kurzen Zeit, in der ich nur ein erstes „Gschmäckle“ dieses Subkontinents erhalten wollte, habe ich mich auf den Staat Rajasthan beschränkt, der einen ganz guten Eindruck vermittelt. Mit dem Zug ging’s von Delhi (einem Multi-Millionen-Menschen-Drecknest und der Hauptstadt Indiens) mit dem Zug (ein MUSS!) nach Agra. Agra ist vor allem für zwei Dinge bekannt: Das Agra-Fort (oder auch „Rotes Fort“ genannt) und natürlich den Taj Mahal. Ansonsten gibt’s da auch nichts. Ein schönes Detail an Indien (und besonders gut für Individualreisende) ist, dass es unglaublich billig ist. Eine Tasse Tee kostet zum Beispiel in der Standard-Variante ca. 1,5 Euro-Cent. Meinen ganz privaten Chauffeur für den Tag in Agra leistete ich mir dann auch einfach mal so. Das kostete dann doch schon ganze ca. 8 Euro. Dafür fuhr er mich aber auch den ganzen Tag rum und wartete jedes mal, bis ich wieder (z.B. nach ca. 2 h aus dem Taj Mahal) raus kam.

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Am Abend traf ich im Hostel (sehr empfehlenswert: ZOSTEL – gibt’s in 15 Locations in Indien) Charlotte, die mich in fließendem Deutsch ansprach, obwohl sie, von ihrer koreanischen Mama geprägt, nicht so aussah. Da wir den gleichen Zug am nächsten Morgen nahmen, hatte ich schon meine erste Reisebekanntschaft und Begleiterin für die restliche Zeit in Rajasthan.

Mit dem allgegenwärtigen Tuk-Tuk ging’s dann mit Charlotte um 04:15 Uhr zum Bahnhof, um den Fünf-Uhr-Zug nach Jaipur zu erwischen. Das war eine nette und kurzweilige Fahrt, v.a. auch deshalb, weil sich das einzige freundliche und offene Mädchen neben mich setzte, wir uns angeregt unterhielten (nein, erstaunlich wenige Inder sprechen gut verständliches English) und sie ihre Musik mit mir teilte. Rund um uns herum das übliche Chaos, wo auf einer Bank für drei Personen deren fünf sitzen und dazwischen jeder Quadratzentimeter mit Stehenden besetzt ist.

Jaipur

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In Jaipur treffen wir auf Tara & Cat aus England – und schon hatte ich gleich drei Mädels im Gepäck. Das war witzig, kurzweilig und sparte natürlich auch noch Geld, da wir uns meistens ein Tuk-Tuk zu viert teilen konnten. Jaipur ist echt ein Juwel mit seiner beeindruckenden Altsatdt, der sogenannten „Pink City“, dem Palast der Winde, dem City Palace und natürlich insbesondere dem absolut beeindruckenden Amber Fort draußen in den Bergen. Diese unglaubliche Kombination aus riesiger Festungsanlage kombiniert mit atemberaubender Location und innen drin sensationell aufwendig dekorierten Palästen – das ist wirklich ’ne Nummer! Die Maharadschas wussten jedenfalls, wie sie ihre Gäste maximal beeindrucken können.

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Pushkar

Die nächste Station lag dann schon tief im Westen, wo es wüstenähnliche Landschaften gibt mit absoluter Trockenheit, viel Hitze und viel Sand. Um nach Pushkar zu gelangen, mussten wir den Zug nach Ajmer nehmen und den Rest mit dem Bus bzw. Taxi in diese heilige Hindu-Stadt fahren. Leider hatten Cat und ich am Vorabend einen Lassi getrunken, der wohl tatsächlich nicht mehr so ganz in Ordnung war. Jedenfalls erwischte es uns mit den üblichen Durchfall-Symptomen, während unsere Cola-trinkenden Freunde fein raus waren. Verdammt. Aber nach und nach erwischte es uns alle mal und nach zwei Tagen war dann auch wieder alles in Ordnung.

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In Pushkar selbst gibt es im Grunde nicht allzu viel zu sehen, aber die jährlich stattfindende Kamel-Messe begann gerade und so strömten unzählige Inder mit ihren Tieren (v.a. Kamele und Pferde) in diese kleine Steppen-Stadt m See. Die ganzen heiligen Hindu-Rituale sind schon sehr interessant, mir als streng gläubigem Atheisten aber immer zu viel Show. Alles ist so heilig. Wie mein alter, zwischenzeitlich verstorbener Zen-Meister gesagt hätte: „Don’t make things!“, frei übersetzt: Füge keine Dinge hinzu, die nicht da sind (auch keine Götter)!

Udaipur

Die letzte Station auf meinem Indien-Trip sollte die „romantische Stadt“ Udaipur sein. Ich erreichte die Stadt wieder mit dem Zug am späten Abend. Die Luft war kühl und deutlich sauberer, der Mond ging gerade rötlich auf dem Rücken liegend über den umliegenden Hügeln unter und ich saß allein im Café auf der Dachterasse und genoss meinen Ingwer-Tee.

Und nach zwei Tagen Udaipur ging dann alles rasend schnell. Da mein Flug genau um Mitternacht abheben sollte, machte ich einen kleinen Denkfehler. Um genau zu sein, war ich nach zwei Stunden des Wartens im Bahnhof in Delhi sehr froh, wie kompetent und rasch mir der Beamte dann doch alle möglichen Zugverbindungen raussuchte (kein leichtes Unterfangen in Indien) und alle Tickets direkt dort für kleines Geld ausstellte. Dumm nur, wenn man dann merkt, dass der Overnight Train zurück nach Delhi ja zu spät ankommt, um den Flieger nach Bangkok zu erwischen…was man nicht im Kopf hat, hat man…

Anyway. Ebenfalls für kleines Geld geschwind einen Inlandsflug Udaipur – Delhi gebucht für zwei Stunden später (Glück, dass da noch ein Plätzchen für Onkel Jörgi frei war), dann ein Taxi mit Uber gebucht und schon sollte eigentlich alles klappen. Dumm nur, dass das Hostel in einer engen Seitengasse war und der Fahrer mit seinem richtigen Auto da nicht hinkam und auch nichts kommunizierte. Als ich ihn dann anrief, war er nicht zu verstehen und ich kannte ja auch die Ortsnamen nicht. Blöd. Also schnell mit meinem Rucksack hinten drauf auf einem Motorrad an den nächsten Taxistand – und da stand er (das Kfz-Kennzeichen ist in der Uber-App gelistet). Jetzt wurde es mal wieder extrem knapp. Der Airport ist ganze 30 km außerhalb und man ahnt schon, was das bei indischem Verkehr bedeutet. Long story short: Es war mal wieder eine gute Achtsamkeitsübung für mich und nicht leicht, die Stresshormone in erträglichem Maß zu halten. Keine halbe Stunde vor Abflug und der Flughafen war noch nicht einmal in Sichtweite…

Vorteil von Uber: Fixed Price. Ich gab ihm meinen letzten 500 Rupien-Schein, den er eigentlich nicht annehmen durfte (warum auch immer hatte die Regierung beschlossen, dass zwei Tage lang – ausgerechnet jetzt – keine 500er und 1000er angenommen werden dürfen). Da es aber an Optionen mangelte, nahm er sie natürlich und gab mir kleine Scheine, was gut war für den weiteren Verlauf der Odysee. Also durch den Aiport gesprintet zum Check-in. Der freundliche Herr war soeben dabei, dieses zu schließen und wusste so schon mal, wer ich bin. Kleiner Provinz-Flughafen kombiniert mit Inlandsflug – alles ging sehr rasch. Durch die Security zum Gate und da war sogar noch Zeit, kurz die Toilette zu nutzen. Dann das Indien-Kontrastprogramm: IndiGO fliegt mir nagelneuem Airbus A320, alles ist sauber und effizient. Es geht also schon.

In Delhi ist dann natürlich das Domestic Terminal (unter gleichem Namen) ganz woanders und keine Beschilderung irgendwo. Ich bin nicht allein. Die Info-Dame weist auch nur grob den Weg. Man muss dann erstmal für 30R einen total heruntergekommenen Shuttle-Bus zur Metro nehmen und dann eine Station mit eben jener zum International Terminal fahren. Dann wieder die üblichen ineffizienten 2 h für das Security Protocol bei der Ausreise. Sorry guys, das ist ja US-Niveau – unter aller Sau. Mein Boarding Pass wird ganze 13 mal gecheckt bis ich an Bord bin. Arrrgggg!

Aber schließlich sitze ich an meinem Fensterplatz in der A330-200 der Thai Airways auf dem Flug nach Bangkok.

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3 thoughts on “Weltreise Teil 1: Indien

  1. Hallo Jörg, schön, dass ich den Weltenbummler auch kenne😉 So werden das Land, die Menschen und die Natur wesentlich gewaltiger, gerade auch weil Du sehr umfassend schreibst. Weiter so, wir freuen uns, schwäbisches Grüßle Edgar

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