DM Cross-Triathlon Schalkenmehren 2018

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Welch ein Rennen. Ich kann mich nur an ein einziges Mal erinnern, wo ich auf’s Rad steig und…nichts da war. Einfach gar nichts. Alle möglichen Muskeln total verkrampft (schon beim Schwimmen bekam ich einen Wadenkrampf – was ist das denn?), entwickelte sich das ganze Rennen als ein einziger K(r)ampf. Schrecklich, einfach nur schrecklich.  So hieß es für mich: Irgendwie durchkommen, einfach nur mit Anstand dieses Rennen finishen. Spaß machte das leider gar keinen und es bedurfte einer riesigen Willensanstrengung, nicht einfach vom Rad zu steigen (bzw. beim Laufen stehen zu bleiben) und das Handtuch zu werfen.

Aber von vorne: Mein 50. Geburtstag war erst wenige Tage her, da ging es einmal mehr erst am Samstagmorgen ins beschauliche Örtchen Schalkenmehren, ganz wunderbar eingebettet in die Vulkaneifel, direkt am gleichnamigen Maar. Praktisch alle Kollegen, mit denen ich sprach, waren sich einig, dass das der absolut schönste See für die erste Disziplin eines Triathlon ist. Glasklar, von wunderschöner grüner Farbe, eingebettet in ein Amphitheater aus Wiesen und steilen, bewaldeten Hängen ringsum. Ein Traum!

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Trotz gefühlter 30 Baustellen auf diversen Autobahnen schafften wir es rechtzeitig zur Startnummernausgabe und zum Check-in in die Wechselzone. Das Wetter sah so aus, als ob die Vorhersage doch tatsächlich wahr werden könnte und es statt der schwülen Affenhitze der Vortage vielleicht pünktlich zum Start um 14:00 Uhr gewittern könnte. Leider ließ uns Petrus NICHT im Regen stehen und so war es für mich mal wieder viel zu heiß. Das „Badewasser“ war dagegen mit 22,4°C perfekt temperiert und so wurde – Gott sei dank – ohne Neo geschwommen.

Nach ausgiebigem Einschwimmen versammelten sich alle brav hinter der Startleine (Wasserstart draußen im See). Das ging bei einer DM in etwa so zu wie in Kona beim Ironman – alle versuchten so nah wie möglich an die Linie zu schwimmen und über Wasser zu bleiben, was zum üblichen Getrete und Ellenbogen-Checks führte. Aber dann ging’s pünktlich los und ich kam auch ganz gut weg. Wir hielten uns in einer kleinen Gruppe ganz links auf und vereinigten uns erst an der Wendeboje nach ca. 400 Metern. Der VCT ist, glaube ich, das einzige Rennen, das ich kenne, das nur EINE Wendeboje hat und die dritte Seite des Dreiecks durch einen üppigen Landgang quer durch’s Maarbad löst. Das ist für alle beteiligten – und vor allem für die Zuschauer – eine super Lösung. Natürlich verliere ich beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre, ähh, den See meine Schwimmbrille. Irgendwann muss ich mir das mal von den Cracks erklären lassen, wie man das richtig macht. Anyway. Dadurch habe ich dann leider meine kleine Schwimmgruppe etwas verpasst…

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Trotzdem lief es vergleichsweise gut und ich konnte das Wasser noch mit einer 25er-Zeit verlassen. Dann rüberlaufen zur Wechselzone. Ein netter Kollege hilft mir beim Öffnen meines Speedsuits. Danke dafür! Dann ein ganz ordentlicher Wechsel und sofort geht’s hinauf durch das dicht gedrängte Zuschauer-Spalier. Ich habe das ja erst einmal in meinem Leben erlebt (Inferno Triathlon 2016), aber Du weißt irgendwie sofort, was die Stunde geschlagen hat: DAS wird heute richtig hart, Leiden pur! Kein Druck, keine Energie. Einfach wie abgeschaltet. Schrecklich.

So überholen mich dann recht bald die schnellsten Frauen, Chris Groß, Marco Göckus, Jörg Scheiderbauer und jede Menge anderer Athleten und ich werde langsam aber sicher nach hinten durchgereicht. Ein übles und ungewohntes Gefühl. Gerade an den Bergen (die naturgegeben ein ständiger Begleiter bei einem Cross-Triathlon sind) geht rein gar nichts. Es geht dann ehrlich so weit, dass ich in der zweiten Radrunde an dem langen, steilen Anstieg zum Dronketurm (höchster Punkt der Strecke) absteige und hochschiebe.

Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt und so hoffe ich die ganze Zeit inbrünstig, dass es vielleicht wenigstens noch beim Laufen klappt. Aber direkt nach dem Wechsel ist klar: Das wird heute auch nichts mehr. Von den Wadenkrämpfen beim Schwimmen bis zur völlig verkrampfter Muskulatur beim Radeln und Laufen war das ein einziges Durchkämpfen mit reiner Willensanstrengung. Not fun. 😦

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Aber irgendwann taucht es dann nach drei harten Laufrunden am Horizont auf, das Ziel. Und genau wie auf dem Foto oben fühlte es sich an. Ein geschlagener Mann, völlig erschöpft. Ich war so fertig, dass ich es nicht mal zur Siegerehrung und zur After Race-Party schaffte (sorry, Leute, tut mir echt leid und ist ja normal nicht meine Sache) und wir nach erster Verpflegung, Auschecken, der rituellen Waschung im Maar und einem Schläfchen nur noch zum Abendessen schafften. Reichlich und unglaublich leckere Spezialitäten der Region. Und dann früh ins Bett…

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Am nächsten Tag dann recht angenehm mit etwas kühleren Temperaturen, Wolken und vor allem einem herrlich kühlenden Wind. Nach einem ausgiebigen Frühstück ließ ich es mir trotzdem nicht nehmen, noch meine beliebte Runde zu radeln rund um das Weinfelder Maar, über den Dronketurm runter zum Gemündener Maar, den Lieserpfad am gleichnamigen Flüsschen entlang auf herrlichen Singletrails zum Koulshore MTB Bikepark und wieder zurück. Am Dronketurm will ich gerade den Downhill nehmen, da ruft jemand meinen Namen. Ich drehe um und es ist … der unglaublich sympathische Jens Roth! Welch ein netter Zufall. Wir machen ein kleines Schwätzchen, aber was mich am meisten beeindruckt: Hier ist der neue (und alte) Deutsche Meister und was macht er einen Tag nach dem Rennen? Genau: Mit einem Kumpel und bewaffnet mit großer Mülltüte lesen sie höchstselbst den Müll von der Bikestrecke. Der Deutsche Meister! Das ist eben der Unterschied zwischen Cross und Straße. Ich will ja niemandem zu nahe treten, aber ich versuche mir gerade Frodo vorzustellen, wie er das macht. Nö, das Bild krieg ich irgendwie nicht hin.

Fazit:

Auch wenn es eines der schrecklichsten Rennerlebnisse (und -ergebnisse) alle Zeiten für mich war: Ein Ausflug in die wundervolle Vulkaneifel ist immer eine Reise wert. Lothar Kaspers und sein Team haben es einmal mehr verstanden ein ganz tolles Rennen (fast) ohne Fehler auf die Beine zu stellen (aber er ist auch der Erste, der mich im Ziel gleich nach Verbesserungspotenzial interviewt!!). Das Wetter im Grund ein Traum (ein Tag später in entspanntem Urlaubsmodus jedenfalls). Das Essen, die Gastfreundschaft, die vielen lieben Cross-Kollegen (eine echte Familie)…alles ein Traum!

Ich habe im Vergleich zu meinem letzten Start vor zwei Jahren…

  • beim Schwimmen 39 Sekunden verloren,
  • beim Radfahren geschlagene 5:49 min. verloren und
  • beim Laufen nochmal sagenhafte 7:31 min. verloren, also
  • insgesamt mehr als 14 Minuten (in Worten: vierzehn)!

Das hätte mich direkt vor Chris Groß auf Platz 22 overall platziert und natürlich hätte ich damit locker die AK gewonnen. Aber das ist natürlich (trotz identischer Strecken) „hätte, hätte, Fahrradkette“! Und ansonsten war es eine große Lehrstunde in Demut. Das tut mir (aber nicht nur mir) auch immer mal wieder gut!

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Race Stats:

  • Wetter: Schwüle, drückende Hitze bei 28°C, Wasser: 22,4°C
  • Strecken: 1,5 k Swim (2 Runden mit Landgang), 32k Bike, 9k Trailrun
  • Zeiten: 25:53 (Swim) – 1:37:32 (T1 + Bike + T2) – 45:21 (Run) = 2:48:48 gesamt
  • Platzierung: 56. Platz overall (4. M50)
  • Ausrüstung: ROKA Speedsuit, Humanspeed Einteiler, Zone3 Schwimbrille, Scott Spark RC MTB, Scott MTB-Radschuhe, Casco Helm, Rudy Project Brille, Montrail Rogue Racer Trailschuhe
  • Ergebnisliste gibt’s hier!
  • Rennvideo!

 

 

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