Die Top-Fehler im Triathlon-Training

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Wenn man schon eine Weile im Ausdauersport zuhause ist und sich in diversen Triathlon-Vereinen umgeschaut hat, kann man mit etwas Aufmerksamkeit gar nicht anders, als gewisse Muster zu erkennen. Aus meiner Sicht gibt es sowohl beim Laufen, Radfahren, als auch beim Triathlon überdurchschnittlich viele Athleten, die das Ganze nicht nur rein zum Spaß, sondern mit gewissen Ambitionen angehen. Die Ziele sind dabei so individuell wie die Menschen dahinter. Der eine will um jeden Preis gewinnen, dem anderen reicht ein Platz auf dem Podium. Die eine will „irgendwo vorne mitmischen“, die andere will ihre starke Konkurrentin Lieschen Müller übertrumpfen. Das könnte ich jetzt durchdeklinieren bis zu dem Athleten, der tatsächlich nur ankommen – neudeutsch „finishen“ – will.

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Eines haben aber alle genannten Athleten-Typen gemein: Sie alle haben begrenzte Ressourcen wie Zeit und Geld und sie alle wollen unter diesen Ressourcen-Restriktionen ihre Ziele erreichen. Dabei kann man eine Menge falsch machen…oder eben nicht ganz so suboptimal. Ein paar Ideen hierzu habe ich hier zusammengetragen (selbstverständlich erhebt die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit). Fangen wir also an…

  1. Mein Lieblingsfehler (so eine Art Meta-Fehler): Seine Ziele ein ums andere Mal nicht erreichen bzw. sich nicht weiter entwickeln…und nichts zu verändern. Du kennst das alte Zitat, das Albert Einstein zugesprochen wird: „Alles so wie immer zu machen und andere Ergebnisse zu erwarten ist die Definition von verrückt.“ Um etwas zum Besseren zu verändern, muss ich also per definitionem etwas verändern!
  2. Das führt uns zum eng verwandten zweiten Fehler: Praktisch immer gibt es erfahrenere Athleten, Trainer, Coaches um uns herum und sehr häufig geben diese Hilfestellung, beantworten gern Fragen und geben gar manchmal ungefragt Tipps. Und was machen wir? Wir hören nicht zu, wehren gar gut gemeinte Ratschläge ab. Fragen? Fehlanzeige! Dabei ist es aus meiner Sicht (zugegeben, ich bin als Coach befangen) offensichtlich, dass gerade die Menschen im Leben (ganz allgemein) weiterkommen, die Fragen stellen, sich und ihre Fähigkeiten in Frage stellen, Hinweise von außen offen aufnehmen. Das Gegenteil ist ebenfalls wahr: Die Menschen am unteren Ende der Nahrungskette sind die ignorantesten. Nichts zu wissen ist eine Sache, aber nicht dazulernen zu wollen eine ganz andere!
  3.  Fehler Nummer 3 führt uns ins andere Extrem. Das ist der Fehler, allem und jedem zuzuhören, tausend Magazin-Artikel zu lesen, jedem gut gemeinten Ratschlag ohne Reflexion hinterherzulaufen und alles ausprobieren zu wollen.
  4. Und dann kommen wir zu den Unsteten. Menschen, die sich für Coach A, Methode B oder Stil C entscheiden, nur um sofort alles umzuwerfen, sobald es mal drei Wochen nicht so läuft, wie sie sich das vorgestellt haben. Ergebnisse brauchen manchmal einfach Zeit und Geduld ist eine der wichtigeren Tugenden im Ausdauersport (nicht nur im Training – auch im Wettkampf).
  5. Das führt uns zu den Kollegen, die ständig schauen, was „die Anderen“ so machen und alles gleich kopieren. Was andere Athleten (ja, auch gerade die Profis!) machen, sollte uns ziemlich egal sein, denn es gilt eines der höchsten Prinzipien der Trainingslehre, das Individualitäts-Prinzip. Was für Athlet A perfekt funktioniert, braucht für Athlet B gar nicht so toll funktionieren und kann gar bei Athlet C ernsthaften Schaden anrichten. Mach, was DIR gut tut, was für DICH funktioniert!
  6. Fehler Nummer 6 in meiner Liste ist der Fokus auf unsere drei geliebten Sportarten, ohne sich auch nur eine Sekunde mit zusätzlichen Fähigkeiten zu beschäftigen. Kein Stretching, kein Yoga, keine Rumpfstabi, keine mentalen Fähigkeiten, keine emotionale Selbstkontrolle, etc.
  7. Nummer 7 ist die Fortführung von Nummer 6: Der Fokus auf NUR EINE Sportart (meist die, in der man ohnehin schon besonders gut ist). Das sind die Radmaschinen, die so gar nicht laufen können (die häufigste Ausprägung in unseren Breiten). Aber auch jede andere Kombination ist hier anzutreffen. Wichtiger Hinweis hier: Auch wenn Du in allen drei Sportarten gut bist und ausgewogen trainierst: Triathlon ist mehr als das! Triathlon ist EINE Sportart, die all‘ das oben geschriebene (und mehr) beinhaltet. Es zählt, so schnell wie möglich die Ziellinie zu überqueren.
  8. Was uns zu Fehler Nummer 8 führt: Spezifizität. Mit welchem Rad fährst Du im Wettkampf? TT-Bike? Roadbike? Mountainbike? Da gibt es jede Menge Experten da draussen, die den ganzen Winter auf der Rolle oder auf ihrem Rennrad fahren, nur um eine Woche vor dem Rennen auf ihr Zeitfahrrad zu wechseln. Keine gute Idee. Und wir kennen alle Athleten, die ihren teuren Neo schonen wollen und tatsächlich nur im Wettkampf anziehen – ein Rezept für Desaster! Und wo wir schon dabei sind: Vor einem Triathlon schon mal im offenen Gewässer geschwommen zu sein, kann echt helfen („Ahh, das Wasser ist so kalt!“ – „Klar Du Dödel, ist da draussen (ausgenommen im Sommer 2018) halt schon mal so!“ oder auch „Irgendwie habe ich mich verschwommen, ich hatte 2,1 statt 1,9k auf dem Garmin.“).
  9. Neue Ausrüstung im Wettkampf. Im Grunde ein so banaler Klassiker, dass man denken sollte, dass er nun wirklich überhaupt nicht mehr vorkommt. Aber weit gefehlt: Dieser Fehler ist ein Klassiker eben WEIL er ein Evergreen ist!
  10. Effektivität nicht verstehen: Effektivität kommt von Effekt. Tue ich „die richtigen Dinge“? Tue ich die Dinge, die den maximalen Output/Effekt generieren pro eingesetzter Ressource (z.B. Zeit).
  11. Effizienz nicht verstehen: Effizienz ist Wirtschaftlichkeit. Wie sieht bei mir das Verhältnis zu Aufwand und Ertrag aus? Wie viel stecke ich rein, um meine Ziele zu erreichen? Oder auch von der anderen Seite her: Wie weit schaffe ich es nach vorne mit einem fix definierten Aufwand, den ich betreibe? Investiere ich meine Zeit mit den Dingen, die mir den größten Nutzen bringen?
  12. Marginal Gains Theory. Wenn ich die Dinge professioneller angehe: Wo kann ich noch einen klitzekleinen Stein umdrehen? Wo kann ich ein einziges Prozent herausholen, idealerweise eines das nicht absolut ist, sondern ein Prozent, das sich weiter kumuliert?marginal_gains.jpg
  13. Mit der Nummer 13 muss ich natürlich wieder einen der ganz großen Klassiker ansprechen: Die sogenannten Junk Miles. Die völlig sinnfreien Kilometer, die millionenfach rund um den Planeten nur für’s Trainingstagebuch oder für Strava und das Beeindrucken der Sportkollegen geschwommen/radgefahren/gelaufen werden. Leider haben sie die dumme Angewohnheit – gerade beim Laufen – nicht nur „leer“ zu sein, sondern noch aktiv zu schaden, dadurch dass sie unnötig das System stressen und Verletzungen oder Krankheit provozieren.
  14. Last but not least: Der Glaube, das „einfach noch mehr Training“ es richten wird. Die speziell von mir sehr geliebte Fraktion, die nach dem Motto „Viel hilft viel!“ trainiert. Auch sie sind traditionell oft in den Wartezimmern der Orthopäden anzutreffen.

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Wir sehen: Wir können eine ganze Menge falsch machen. Das sind ja auch nur meine 14 Top-Fehler und es gibt da sicher noch viel mehr, was Du als Triathlet in Training und Wettkampf suboptimal gestalten kannst. Außerdem gibt es da natürlich kein schwarz/weiß, sondern es geht stufenlos von völlig destruktiv bis absolut konstruktiv. Und immer schön die individuelle Situation im Auge behalten, gelle! 😉

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