Ein tiefer Blick in die Kona-Glaskugel

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Wie jedes Jahr, wage ich einen riskanten, tiefen Blick in Onkel Jörgi’s Glaskugel und gebe meinen Tipp ab für das mit Abstand wichtigste Triathlon-Rennen des Jahres, die IRONMAN World Championship in Kailua-Kona, Hawaii. Und wie jedes Jahr ist es nicht einfach, denn die Bedingungen auf Big Island sind so unvorhersehbar wie der Rennverlauf am Samstag.

Wie immer gibt es eine gewisse Vorauslese, bevor das Rennen überhaupt beginnt. Dieses Jahr hat es mit dem alles überstrahlenden Top-Favoriten, Jan Frodeno, ein besonders prominentes Opfer erwischt, dass sich verletzungsbedingt bereits aus der Startliste austragen musste. Den Amerikaner Ben Hoffman, der hier immerhin schon einmal einen starken zweiten Platz belegen konnte, sehen wir ebenfalls nicht am Start. Wer noch? Der Kiwi Terenzo Bozzone, letztjähriger Fünfter und aus deutscher Sicht natürlich Boris Stein, der sich auch erst kurzfristig (mitten im Woodlands-Trainingslager) abgemeldet hat.

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Und so schwimmen sie alle diese Woche noch ihre letzten Kilometer im Kona Aquatic Center (s.o.) und ballern mit den Neuvorstellungen der triathlon-spezifischen TT-Bikes über den Queen K. In diesem Jahr bin ich besonders überrascht, über wen alles NICHT (oder wenig) gesprochen wird. Ich höre ganz Wenige vom mehrfachen Weltmeister (Kurz- und Mitteldistanz), Javier Gomez, reden. Oder vom letztjährigen Dritten David McNamee (#5). Dagegen haben fast alle Lionel Sanders (#2) und Patrick Lange (#1) auf der Rechnung (zu Recht). Einer der konstantesten Kona-Finisher der letzten Jahre, unser Sebi (#3), fliegt ebenfalls eher überraschend tief unter dem Radar. Ich halte ihn in diesem Jahr (nach dem Ausfall von Frodo) für DEN Top-Favoriten. Kein anderer Athlet legte in all seinen Starts diese Konstanz an den Tag (2012 – 2017; 6 Starts, 6 Finishes, Platz 4, 3, 1, 8, 2, und 4).

Lionel vergurkt dagegen wieder irgendwas und schafft es dank großer kämpferischer Leistung trotzdem unter die Top 5, wahrscheinlich sogar auf’s Podium. Im Alternativ-Szenario kriegt er alles genau perfekt hin und siegt. Er ist durch seine unkonventionelle Art einfach schwer einzuschätzen und sein Patzer in Mont-Tremblant war auch kein guter Indikator.

Keine Rolle spielen um den Sieg werden hingegen (alle über den Zenit): Tim Don, Freddie van Lierde, Andi Potts, Luke McKenzie, Cameron Brown, Tim O’Donnell.

Also hier meine gewagte Prognose (mit einer leichten Prise Lokal-Patriotismus):

  1. Sebastian Kienle
  2. Patrick Lange
  3. Lionel Sanders
  4. Patrick Nilsson
  5. David McNamee

Dark Horses: Braden Currie, Andi Dreitz, Javier Gomez, Cameron Wurf, James Cunnama.

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Und die Damen? Naja, da ist zumindest an einem halbwegs „normalen“ Tag Platz 1 bereits vergeben. Daniela Ryf war diese Saison ebenso abartig überragend wie Frodo bei den Jungs. Sie siegt wieder unangefochten, bekommt aber von Lucy Charles noch mehr Druck als schon letztes Jahr bzw. bei der 70.3-WM in Südafrika. Meine Prognose ist, dass es dieses Jahr schon richtig eng wird und nächstes Jahr mit Laura Philipp im Mix und einer weiter entwickelten Lucy der Sieg erstmals wieder eine offene Sache wird. Aber ich bin der Zeit voraus…

Hier meine (weniger gewagte) Prognose:

  1. Daniela Ryf
  2. Lucy Charles
  3. Sarah True
  4. Heather Jackson
  5. Sarah Crowley

Dark Horses: Helle Frederiksen, Emma Pallant, Anne Haug, Lauren Brandon, Kaisa Sali, Susie Cheetham.

Und nun hoffe ich, dass mich Kona einmal mehr überrascht durch seine Unvorhersehbarkeit. Ich wünsche allen Athleten viel Glück, Spaß und Erfolg. Möge es nach ein paar vergleichsweise „leichten“ Jahren mal wieder richtig schwere Hawaii-Bedingungen geben!

Nachtrag:

Nachdem ich zwischenzeitlich beide „Breakfast mit Bob“-Sendungen gesehen habe (Interviews mit Sebi & Lionel), bin ich geneigt, Lionel ein paar Bonuspunkte zu geben. Sebi ist mental nicht gut aufgestellt und Lionel PERFEKT! Und genau das macht in Kona – mehr als anderswo – den Unterschied! Während sich Sebi in Ausreden verstrickt („Der [Lionel] will sich ja nur selbst maximal weh tun – den kann man gar nicht schlagen“ und auf der anderen Seite „Ich will mich selbst in einem Rennen maximal zerstören.“) ist Lionel komplett ruhig, ausgeglichen, die perfekte Mischung aus selbstbewusst und demütig. Und wenn ich eines kann, dann Gesprächssituationen & Körpersprache analysieren (das ist mein Job)!

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